2009
Im Jahr 2009 haben 966 Personen (2008 waren es 924, d.s. +4,5%), die Sozialberatung aufgesucht und 7.292 mal vorgesprochen. 542 KlientInnen kamen im laufenden Jahr erstmals zu uns in die Beratungsstelle. Der Frauenanteil liegt kaum verändert bei 22,6 %, das sind 218 Personen.
Die Altersverteilung ist aus nachfolgender Tabelle ersichtlich:
Der Familienstand setzt sich folgendermaßen zusammen:
Viele Hilfesuchende kommen erst, wenn sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben; wenn die Notstands- oder Sozialhilfe eingestellt worden ist, wenn sie keine Wohnmöglichkeit mehr haben oder schon lange bei Bekannten wohnen; wenn sie bei Ämtern und Behörden nicht mehr durchdringen. Die Beratungstermine sind dann entsprechend umfassend und erfordern viele Rückfragen und Gespräche zur Sachverhaltsklärung. Dann muss der notwendige Lebensunterhalt gesichert und/oder Wohnraum beschafft werden. Die Zahl der Interventionen der Sozialberatung ist im Vergleich zu den Vorjahren daher wiederum deutlich gestiegen: insgesamt 26.610 mal nahmen die Beraterinnen und Berater zur Bearbeitung der Anfragen Kontakt zu internen und externen Einrichtungen auf. Ein sehr häufiger Grund für das Kommen ist die fehlende Melde- und Postadresse. Dies betrifft Menschen, die bei Bekannten oder Freunden leben, jedoch keinen Wohnsitz anmelden können und Obdachlose.
Arbeitslose ohne Meldeadresse können keinen Antrag auf Arbeitslosenleistungen stellen. Dies ist wiederum Voraussetzung für einen Sozialhilfeantrag. Sozialhilfe leistet subsidiär, also nur, wenn keine Arbeitslosenleistungen zustehen oder diese nicht ausreichend sind.
Eine langjährige Vereinbarung zwischen dem Arbeitsmarktservice Salzburg (AMS) und der Sozialberatung (AIS) - die sog. „Nichtmeldebestätigung" - ermöglicht eben diese Antragstellung. Die KlientInnen gehen damit zum AMS. Das AMS stellt dann die Post (Bezugsbestätigungen, Jobangebote, Informationen über Kurse) und auch Geldleistungen an die Postadresse der KlientInnen in der AIS zu. Damit sind die Betroffenen wieder erreichbar und nachweisbar in der Stadt Salzburg aufhältig. Dies ist oftmals der erste wichtige Schritt eines/r Hilfesuchenden in das „System von Ansprüchen". Die KlientInnen müssen dann in Folge regelmäßigen Kontakt zur Sozialberatung halten; dies erfordert einen hohen Verwaltungsaufwand in der Beratungsstelle.
Insgesamt wurden im Jahr 2009 für 535 Personen Nichtmeldebestätigungen ausgestellt. Dies ist eine Steigerung im Vergleich zum Jahr 2008 um 11,9%. Die Zahl der eingerichteten Postadressen blieb hingegen mit 131 Benützern ident mit dem Wert des Vorjahres.
Vielen wohnungslosen Personen ist es unmöglich, eine amtliche Meldeadresse vorzuweisen, die jedoch in vielen Belangen unumgänglich ist, so z.B. bei Antritt eines Dienstverhältnisses, zur Erlangung von Familienleistungen (z.B. Familienbeihilfe), zur Ausübung des Stimmrechtes bei Wahlen, zur Antragstellung beim Wohnungsamt etc. Die Hilfesuchenden haben in diesem Fall die Möglichkeit, ihren Hauptwohnsitz in der Sozialberatung bei gleichzeitiger postalischer Erreichbarkeit anzumelden (Kontaktstelle im Sinne des Meldegesetzes). Im Jahresdurchschnitt 2009 waren das rund 150 Personen.
Aufgrund der oben angeführten mehrdimensionalen Problemlagen reichen die Interventionen der Sozialberatung nach einem sozialdiagnostischen Prozess vom informativen Zugang zu finanziellen Unterstützungen (z.B. Sozialamt, diverse Unterstützungsfonds), Hilfestellung bei Anträgen (Pensionsversicherung, Sozialamt, Gebührenbefreiungen etc.), Informationen zur Wohnraumbeschaffung, Weitervermittlung bzw. Zusammenarbeit mit anderen psychosozialen Einrichtungen bis hin zur Motivationsarbeit bezüglich Suchtproblematiken (z.B. Entzug oder Therapie bei Drogen- oder Alkoholsucht, Spielsucht).
Arbeitssituation
364 der 542 NeuklientInnen waren bei der Erstvorsprache in der AIS arbeitslos, das sind immerhin 67,2%. Viele derjenigen, die sich in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis befinden, sind oftmals nur über ein Personalleasingunternehmen angestellt. Die Dauer des Arbeitsverhältnisses ist daher ungewiss, Zeiten der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit wechseln in rascher Abfolge.
Als Hilfe zum Wiedereinstieg ins Erwerbsleben kann unter anderem auch auf die Arbeitsprojekte der Soziale Arbeit GmbH zurückgegriffen werden:
- Unterstützung bei der beruflichen Integration bieten dabei die Sozialökonomischen Betriebe TAO und Modecircel mit Standorten in Salzburg und Hallein sowie das Restaurant Schmankerl in Salzburg.
- Zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit steht das Projekt Lebensarbeit (ein gemeinsames EU-Projekt der Soziale Arbeit GmbH und der Caritas) zur Verfügung.
All diese Arbeitsprojekte haben im Rahmen befristeter Arbeitsverhältnisse die berufliche Wiedereingliederung sowie die Verbesserung der psychischen, sozialen und gesundheitlichen Situation zum Ziel.
Wohnsituation
76% der Hilfesuchenden waren bei der Erstvorsprache ohne Wohnung und 11,6 % waren obdachlos; also insgesamt 87,6%, das sind 475 Personen.
Eine weitere bedeutende Dienstleistung der AIS ist die Verwaltung und Besetzung/Zuweisung der 10 Notwohnplätze (Einzelzimmer) in der Pension Torwirt. Damit werden akut obdachlose Frauen und Männer im Rahmen einer 14tägigen Aufenthaltsfrist wohnnotversorgt. Im begleitenden Beratungsprozess werden Lösungen für eine Wohnversorgung gesucht und sonstige Probleme bearbeitet. In vielen Fällen ergibt sich daraus nach vorangegangenem ausführlichem Wohnclearing die Vermittlung ins Betreute Wohnen: so konnten 141 Personen in den Wohneinrichtungen der Soziale Arbeit GmbH betreut werden. Andere wurden entweder im privaten Wohnraum, Gemeindewohnungen oder Privatzimmern untergebracht.
Lediglich 12,4% (das sind 67 Personen) lebten bei der ersten Kontaktaufnahme mit der AIS in einer eigenen Wohnung. Hier waren die Hauptanliegen der Hilfesuchenden unter anderem rechtliche und finanzielle sowie gesundheitliche Probleme.
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